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MEDIENBERICHTE

JOURNAL DJV NRW, 4. April 2018

Ein neues Angebot für Düsseldorf? LfM vergibt erste DAB+-Lizenz

Über den Ausstieg aus der analogen UKW-Hörfunkverbreitung wird schon länger diskutiert. Auch die Partner der Großen Koalition hatten sich in ihren Koalitionsgesprächen mit dem Umstieg aufs Digitalradio DAB+ befasst. Aber in Nordrhein-Westfalen fehlt bisher eine politische Entscheidung, ab wann und in welcher Variante es digitales terrestrisch verbreitetes Radio auf Landes- oder Regionalebene geben wird. Trotzdem gibt es schon einen ersten Anwärter: Die Medienkommission der Landesanstalt für Medien (LfM) in NRW hat Ende Februar dem ersten Veranstalter eine Lizenz für die Verbreitung über DAB+ erteilt.

Zugeschlagen wurde die der haftungsbeschränkten Unternehmergesellschaft „Mehr! Radio“, hinter der fünf Gesellschafter stehen. Drei davon gehören auch zur Betriebsgesellschaft, die sich schon länger zusammen mit einer Veranstaltergemeinschaft um UKW-Frequenzen für ein zweites Düsseldorfer Lokalradio nach dem Zweisäulen-Modell bemüht. „Wir sind Fans einer außenpluralen Vielfalt im Radioangebot“, sagt Stefan Kleinrahm, der beiden Gruppen angehört. „Wir haben aber nicht viel Hoffnung, noch eine UKW-Frequenz zu bekommen, DAB+ hat einfach mehr Kapazitäten.“

Kleinrahm ist Hörfunkredakteur und war von 2001 bis 2005 auch Chefredakteur des Lokalradios Antenne AC in Aachen. Geschäftsführer von „Mehr! Radio“ ist Richard Zyla, der hauptberuflich als Geschäftsführer der Düsseldorfer RichCom media touristische Websites im deutschsprachigen Raum vermarktet. Im Herbst 2016 hat sich die Unternehmergesellschaft gegründet, im Sommer 2017 den Antrag für die Lizenz bei der LfM abgegeben.

Weder Vollprogramm noch Lokalradio

Nach eigenen Angaben will „Mehr! Radio“ ein Spartenprogramm für den Großraum Düsseldorf anbieten, als Unterhaltungsprogramm mit regionalen Inhalten. Zwei Redakteure, zwei Volontäre und freie Mitarbeiter sollen von 6 bis 19 Uhr ein moderiertes Programm mit Nachrichten erstellen, nachts soll automatisiert gesendet werden. „Das ist nicht vergleichbar mit dem klassischen Lokalprogramm in NRW. Wir berichten schon über regionale Ereignisse, aber hauptsächlich in Moderationen. Wir sind eher emotional regional ausgerichtet“, umreißt Kleinrahm die Zielsetzung des Programms.

Ob und wann „Mehr! Radio“ auf Sendung geht, steht allerdings noch in den Sternen. Mit der Lizenz allein kann das Unternehmen nichts anfangen, solange ihm keine Frequenz zugewiesen wird. In NRW gibt es aber bislang keine landesweiten, regionalen oder lokalen Multiplexe, NRW hinkt da im Vergleich mit anderen Bundesländern hinterher – auch weil sich die Lokalradios in NRW bislang nicht an DAB+ beteiligen wollten. „Wir wollen auch eine Plattform betreiben und sind bereit, den Lokalradios dort Plätze frei zu halten, bis die sich entschieden haben. Momentan kommen wir aber nicht weiter, weil die LfM noch kein Konzept für DAB+ in NRW hat“, bedauert Kleinrahm das langwierige Verfahren.

Gutachten zum Digitalradio

Immerhin arbeitet die LfM inzwischen an einem solchen Konzept: Ebenfalls auf der Sitzung der Medienkommission Ende Februar sind vier mögliche Alternativen vorgestellt worden. Nun soll das Beratungsunternehmen Goldmedia aus Berlin innerhalb von zwei Monaten ein Gutachten zur Zukunft des Digitalradios in NRW vorlegen. Bis eine politische Entscheidung getroffen ist, wird es sicher auch nach Erstellung des Gutachtens noch Monate dauern. Und dann erst können Frequenzen ausgeschrieben werden. „Mehr! Radio“ muss sich also noch in Geduld üben. Eine Homepage gibt es schon, aber mehr als Kontaktdaten hat sie noch nicht zu bieten. „Wir sind in den Startlöchern, nach Erteilung einer Frequenz könnten wir innerhalb von sechs Monaten loslegen“, sagt Kleinrahm.

http://journal-nrw.de/ein-neues-angebot-fuer-duesseldorf/

Meinungsbarometer.info, 28. März 2018

ERSTES DAB+ PRIVATRADIO STARTET IN NRW

Die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) hat „MEHR! Radio UG“ eine Sendelizenz für DAB+ erteilt. Für den Gesellschafter von MEHR! Radio, Lutz Sonntag, ist der Titel durchaus auch Programm. „Nordrhein-Westfalen hat hier Nachholbedarf, zumal die neue Landesregierung explizit NRW digital fit machen und Start-Ups fördern möchte. Wir sind überzeugt, dass von den derzeit diskutierten Übertragungswegen DAB+ das größte Potential für den Hörfunk hat. UKW ist ein bewährter Übertragungsweg, aber die Möglichkeiten sind in NRW einfach erschöpft. Natürlich erhoffen wir uns auch mit unserem Engagement, dass die  Verbreitung über DAB+ schneller an Fahrt gewinnt.“

Die LfM hat „MEHR! Radio UG“ eine Sendelizenz für DAB+ erteilt. Was steckt hinter Ihren Engagement und dem neuen Programm?

Unser Engagement zielt im Wesentlichen auf mehr außenplurale Vielfalt in NRW, also mehr Sender. Der Name „MEHR! Radio“ ist also durchaus auch Programm. Nordrhein-Westfalen hat hier Nachholbedarf, zumal die neue Landesregierung explizit NRW digital fit machen und Start-Ups fördern möchte. Das verstehen wir als deutliche Aufforderung an junge Unternehmen, Impulse zu geben, Investitionen gerade in NRW zu tätigen und die Digitalisierung mitzugestalten.

Warum haben Sie sich für den Übertragungsstandard DAB+ entschieden?
Wir sind überzeugt, dass von den derzeit diskutierten Übertragungswegen DAB+ das größte Potential für den Hörfunk hat. UKW ist ein bewährter Übertragungsweg, aber die Möglichkeiten sind in NRW einfach erschöpft. Das Thema 5G haben wir durchaus im Blick, wir können ja das Eine tun ohne das Andere zu lassen, aber kurz- oder mittelfristig sehen wir 5G nicht. Die zeitlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen sind noch zu unklar, um darauf ein zuverlässig kalkuliertes Geschäftsmodell aufzubauen. Selbst 4G ist heute noch nicht annähernd flächendeckend verfügbar. DAB+ bietet uns die größten Chancen, insbesondere wegen der Vielzahl der zur Verfügung stehenden Kapazitäten. Das haben uns Staatskanzlei und Bundesnetzagentur ausdrücklich bestätigt. Allerdings ist auch zu hören, dass unsere niederländischen und belgischen Nachbarn schon Begehrlichkeiten auf die Frequenzen haben. Hier sollte sich NRW fragen, ob die Fehler bei UKW in den 80er Jahren wiederholt werden und ökonomische NRW-Ressourcen ohne Not weggegeben werden.

Bisher sind die Privatradios in NRW für ihre Blockadehaltung bei DAB+ bekannt. Ist Ihr Engagement auch als ein Startschuss für die Digitalisierung von UKW hin zu DAB+ zu verstehen?
Natürlich erhoffen wir uns mit unserem Engagement, dass die  Verbreitung über DAB+ schneller an Fahrt gewinnt. Die Lokalradios als UKW-Betreiber zeigen sich bisher noch zurückhaltend bei der Digitalisierung. Das ist auch ihr unternehmerisches Recht. Trotzdem haben wir der LfM angeboten, den betroffenen Lokalradios im Verbreitungsgebiet Sendeplätze auf der Plattform freizuhalten.

Wann und wo wird „MEHR! Radio“ das erste Mal zu empfangen sein? Planen Sie künftig eine Ausweitung des Sendegebietes?
Das Wo ergibt sich aus unserer Lizenz für den Ballungsraum Düsseldorf. Zum Wann: Die Investoren und wir stehen in den Startlöchern und möchten am liebsten sofort loslegen, sobald wir eine Übertragungskapazität zugewiesen bekommen. Die rechtlichen und frequenztechnischen Voraussetzungen liegen ja vor. Wir warten nun darauf, dass die LfM dem einstimmigen Mandat der Medienkommission für „MEHR! Radio“ jetzt auch folgt und eine Übertragungskapazität bei der Staatskanzlei anfordert. Jetzt hat sie die Chance, gemeinsam mit uns die politisch beabsichtigte Digitalisierung des letzten noch analogen Massenmediums auch in NRW anzuschieben.

Wir sind von DAB+ überzeugt, aber wie schnell die Digitalisierung des Hörfunks voranschreitet, können auch wir nicht absehen. Wachsen will jeder, und bei entsprechender Akzeptanz von DAB+ sind wir vorbereitet, noch mehr „MEHR! Radio“ zu machen.

https://www.meinungsbarometer.info/beitrag/Erstes-DABplus-Privatradio-startet-in-NRW_2871.html

radioWOCHE.de, 19. März 2018

MEHR! Radio will in Düsseldorf DAB+ Multiplex betreiben

Das Bundesland Nordrhein-Westfalen ist in der Vergangenheit nicht gerade als Motor der Hörfunkdigitalisierung bekanntgeworden. Die letzte Ausschreibung für DAB+-Kapazitäten fand im Jahr 2012 statt. Potentielle Kandidaten beißen in NRW auf Granit. In der jüngsten Sitzung der Medienkommission der Landesanstalt für Medien NRW erhielt nun „MEHR! Radio“ eine Sendelizenz ohne Verbreitungsweg. Wo und wann das Programm auf Sendung gehen wird, verrät uns Stefan Kleinrahm, Gesellschafter von „MEHR! Radio“.

radioWOCHE: Die Medienkommission der Landesanstalt für Medien NRW hat in ihrer 31. Sitzung einstimmig der „MEHR! Radio UG“ eine Sendelizenz erteilt. Wo und wann werden unsere Leser ihr Radioprogramm empfangen können?

Kleinrahm: Der Verbreitungsweg ist DAB+ und es handelt sich um ein Ballungsraumradio im Raum Düsseldorf. Der Zeitpunkt ist noch unklar, wir haben jetzt die Lizenz zur Veranstaltung des Programms, aber wir brauchen noch eine Übertragungskapazität, die haben wir im Moment noch nicht.

radioWOCHE: Die Lizenz wurde an ein regionales Spartenprogramm erteilt. Welche Sparte wird ihr Programm bedienen?

Kleinrahm: Die Sparte ist „Musik und Unterhaltung“. Das liegt daran, dass es nur die vier Sparten gibt: „Bildung“, „Beratung“, „Information“ und „Unterhaltung“. Wir haben uns für ein moderiertes Radioprogramm entschieden in der Sparte „Unterhaltung“.

radioWOCHE: Wie konkret sind ihre Programmplanungen bzgl. der Inhalte oder Musikfarbe?

Kleinrahm: Die haben wir natürlich schon ausgeplant, insbesondere was die Musikfarbe und die Inhalte betrifft. Die Inhalte sind ein moderiertes Programm mit Meldungen und Information mit dem Schwerpunkt Moderation. Es wird auch Korrespondentenberichte und Nachrichten geben, die wir dann zukaufen werden. Gebaute Beiträge oder Reportagen werden wir selber nicht machen.

radioWOCHE: Wofür steht das „mehr“ mit dem Ausrufezeichen im Namen ihres Senders?

Kleinrahm: Erstmal sind wir als Radiomacher Leute, die finden, es müsste mehr Radio geben. Der Name ist praktisch Programm. Wir möchten mehr Radio, wir möchten mehr Vielfalt, und deswegen ist das ein Grund, weswegen wir uns für „Mehr!Radio“ entschieden haben. Das ist eine Bezeichnung, die wir passend finden. Wir wollen mehr „außenplurale Vielfalt“. Wir haben hier in Nordrhein-Westfalen eine Situation, dass wir nur ein Privatradio haben – ein einziges – nämlich die Lokalradios. Sie wissen wahrscheinlich auch, dass die Radiomacher in Nordrhein-Westfalen seit Jahren die „außerplurale Vielfalt“ – das heißt mehr Sender in der Luft – erhöhen möchten, um mehr Vielfalt zu haben. Das transportiert der Begriff „Mehr Radio“.

radioWOCHE: Im Januar 2017 haben sie ihr Unternehmen gegründet, im Februar 2018 haben sie ihre Sendelizenz erhalten, wie schätzen Sie die Situation in NRW ein, wann wird das Signal vom „MEHR! Radio“ das erste Mal zu empfangen sein?

Kleinrahm: Realistisch gesehen gehe ich nicht mehr von diesem Jahr aus. Das hängt damit zusammen, dass wir die Übertragungskapazität brauchen. Die LfM – die Medienbehörde bei uns – erkennt unseren Bedarf an, zögert aber noch, weil sie einen Konflikt mit den bestehen Lokalradios sieht. Unserer Auffassung nach gibt es dafür keinen Anlass. Der Konflikt besteht nicht. Im Gegenteil, wir haben der Medienanstalt angeboten und bieten den Verlegern, den Platz im Multiplex für ihre Lokalradios freizuhalten, damit es für die Verleger die Möglichkeit gibt, später einzusteigen.

radioWOCHE: Man weiß nicht, welchen Multiplex die Verleger nutzen wollen, ob den Regionalmultiplex für den Niederrhein oder einen Lokalmultiplex für die Stadt Düsseldorf. Das heißt „MEHR! Radio“ bewirbt sich um einen lokalen Multiplex für die Region Düsseldorf?

Kleinrahm: Es gibt die 45 Verbreitungsgebiete, also auch die 45 Lokalradios und für unser Verbreitungsgebiet – was der Ballungsraum Düsseldorf ist – wären natürlich die Plätze für die Verleger frei, weil wir die freihalten. Wo die Verleger hinmöchten, haben sie sich noch nicht geäußert. Sie haben die Möglichkeit, auf der Plattform ihre Programme unterzubringen.

radioWOCHE: Warum bewerben Sie sich um DAB+ und nicht um UKW?

Kleinrahm: Weil es nicht geht. In Nordrhein-Westfalen ist die Situation so, dass es mehrere Versuche gegeben hat, zusätzliche UKW-Frequenzen zu besetzen. Die Frequenzen wurden auch teilweise durch die Bundesnetzagentur benannt, die aber mehr oder weniger im Nirvana verschwunden sind und daher nicht nutzbar waren. Ein UKW-Betrieb für neue Anbieter ist de facto in Nordrhein-Westfalen nicht realistisch. DAB+ bietet sich natürlich da an, weil es mehr Programmplätze bietet.

radioWOCHE: Es gibt in NRW „eingefrorene“ UKW-Frequenzen, nach einem Versuch durch die LfM NRW, die Frequenzen an einen Anbieter zu vergeben und Frequenzen des britischen Soldatensenders BFBS, die an das Land NRW zurückgegeben werden sollen. Glauben Sie, dass man sich um diese Frequenzen bewerben können wird?

Kleinrahm: Davon gehen wir nicht aus.

radioWOCHE: Wie schnell rechnen Sie mit einer Kapazitätszuweisung, und wie schnell wäre der Sendestart danach möglich?

Kleinrahm: Die Kapazitätszuweisung liegt natürlich nicht in unseren Händen, das kommt eben darauf an, dass die LfM eine Kapazität ausschreibt, auf die man sich dann bewerben kann. Das findet im Moment noch nicht statt. Letztlich lässt sich das erst absehen, wann es stattfindet. Meine Einschätzung ist, dass es in diesem Jahr nicht mehr klappen wird. Sollte die Kapazität zugewiesen sein, denke ich, dass wir den Sendebetrieb in sechs Monaten realisieren können.

radioWOCHE: Im Düsseldorfer Medienhafen ragt der hohe Rheinturm aus dem Boden, von dort werden die Hörfunk- und Fernsehprogramme digital für die Landeshauptstadt abgestrahlt. Mit jedem Meter eines Turmes steigt auch der Preis für die Anbringung der Sendeantennen, je höher umso teurer wird es. Ihr Unternehmen ist auf dem Düsseldorfer Hochplateau angesiedelt. Da bieten sich für „MEHR! Radio“ andere Möglichkeiten an? Strebt „MEHR! Radio“ den Sender selbst zu betreiben? Haben Sie schon einen besseren Standort als den Rheinturm gefunden?

Kleinrahm: Die beiden letzten Fragen: Ja und ja. Ich gehe jetzt genauer darauf ein. Ja, wir möchten nicht nur den Multiplex als Plattformbetreiber betreiben. Wir haben als Standort „Düsseldorf 4“ gewählt, der Funkturm befindet sich in Düsseldorf-Gerresheim. Der Turm gehört der DFMG Deutsche Funkturm.

radioWOCHE: Es gab schon einmal in Düsseldorf ein Stadtteilmagazin mit dem gleichen Namen, und es gibt Parallelen, denn Lutz Sonntag war damals auch schon dabei. Wird „Mehr!Radio“ zu einem neuen Stadtteilmagazin?

Kleinrahm: Lutz Sonntag ist einer der Gesellschafter von „MEHR! Radio“. Lutz Sonntag hat damals auch das Stadtteilmagazin „Mehr“ gemacht. Das gibt es aber nicht mehr.

radioWOCHE: Schaut man sich die Liste der Gesellschafter von „MEHR! Radio“ an, dann ist dabei der IT-Spezialist und erfahrene Freifunker Michel Theine-Dimt, die Hörfunkjournalisten Dirk Rosenberg und Sie, Stefan Kleinrahm, sowie Lutz Sonntag, der ebenfalls große redaktionelle Erfahrung hat, und Richard Zyla, der aus Werbeverkauf kommt. Haben sich die Gesellschafter ihren eigenen Radiosender bzw. Arbeitsplatz geschaffen?

Kleinrahm: Die Gesellschafter haben alle einen eigenen Arbeitsplatz, aber es schließt nicht aus, operativ tätig zu werden, wenn es den Sender mal gibt. Sie haben es gesagt, es gibt zwei, die aus dem Hörfunkjournalismus kommen, Dirk Rosenberg und ich. Auch Lutz Sonntag hat redaktionelle Erfahrung, und da werden einige auch operativ ihre Erfahrung einbringen bei dem Sender. Arbeitsplätze haben alle, Arbeitsplätze geschaffen haben wir uns mit dem Sender nicht.

radioWOCHE: Am Anfang müssen sie – glaube ich – die Kosten geringhalten und gleichzeitig den Sendebetrieb stemmen. Dann ist es ganz praktisch, wenn man selbst Erfahrung hat.

Kleinrahm: Richtig, das heißt die Gesellschafter arbeiten umsonst da, nicht gegen Lohn, und dadurch kann man das günstig halten.

radioWOCHE: Das Landesmediengesetz NRW enthält eine Experimentierklausel. Nach dem §10b dürfen in NRW „Pilotversuche zur Einführung und Weiterentwicklung digitaler terrestrischer Übertragungstechniken“ durchgeführt werden, des Weiteren enthält das LMG im § 30 auch eine Experimentierklausel. Je nach Paragraph ist die Dauer auf neun Monate bzw. drei Jahre beschränkt. Sehen sie darin eine Möglichkeit auf Sendung zu gehen, bevor die LfM NRW und das Land NRW mit dem DAB+-Selbstfindungsprozess fertig sind? Ein Small Scale DAB-Test gab es in NRW meines Wissens nach noch nicht?

Kleinrahm: Das ist eine gute Frage. Genau das haben wir der LfM auch angeboten. Bisher hält sich ihre Begeisterung dafür aber in Grenzen. Sie haben sich nicht geneigt gezeigt, diesen Piloten durchzuführen. Aber sie haben natürlich Recht, gerade was Small-Scale-DAB betrifft, gibt es in Nordrhein-Westfalen keine Erkenntnisse. Das würde sich anbieten, aber die LfM hält sich diesbezüglich noch zurück.

radioWOCHE: Wenn ich Ihnen etwas wünschen dürften, was wäre das? Was wünschen sie sich für das neue Radioprojekt?

Kleinrahm: Natürlich viele Hörer, wer Radio macht, möchte gern gehört werden und natürlich möglichst einen schnellen Start. Wir stehen in den Startlöchern, möchten am liebsten dieses Jahr loslegen, aber realistisch ist das nicht. Wenn Sie mir etwas wünschen können, dass wir schnell loslegen können.

http://www.radiowoche.de/mehr-radio-will-in-duesseldorf-dab-multiplex-betreiben/

RADIOSZENE.de, 26. Februar 2018

DAB+ Zukunft in NRW: Silberstreif am Horizont?

In Nordrhein-Westfalen erhielt der erste Veranstalter eine Zulassung für Digitalradio über DAB+. Die Düsseldorfer „Mehr Radio“-Gruppe wurde in der jüngsten Sitzung der Landesmedienkommission der LfM lizenziert. Ein Silberstreif am Radio-Horizont in punkio Vielfalt im Land an Rhein und Ruhr? Wohl erstmal nur ein ganz kleiner. Denn eine Zulassung erhalten, heisst im deutschen Medienrecht nun mal, den „Führerschein“ als Veranstalter zu besitzen. Über das „Auto“, die Frequenzzuweisung, sagt das noch nichts.

Für eine potentielle Zuweisung von DAB-Übertragungskapazitäten hat die NRW-Medienkommission erst jetzt die ersten Schritte eingeleitet. In ihrer Sitzung hat die Kommission beschlossen, ein Gutachten zur Digitalradio-Zukunft in NRW einzuholen, das das renommierte Unternehmen Goldmedia binnen zwei Monaten liefern soll.

Ausgehend von vier Modellen, die die neue Medienpolitikerin der LfM, Petra Gerlach, in der Sitzung vortrug, sollen Diskussionsgrundlagen für eine Klausursitzung der Kommission über DAB+ in NRW im Sommer entstehen. Die LfM will daraus dann eine Handlungsempfehlung für den Landtag entwickeln.

http://www.radioszene.de/118964/dab-nrw-digitalradio.html